„Rawetzer Löschzug“ und Bibione

Gemeinsam durch dick und dünn
Der „Rawetzer Löschzug“ feiert heute sein 25. Jubiläum. Die Mitglieder des Stammtischs sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die nicht nur im Fasching für mächtig Gaudi sorgen.

Von Peggy Biczysko

Rawetzer LoschzugSie sind eine eingeschworene Truppe, die Jungs vom „Rawetzer Löschzug“. Und sie gehen gemeinsam durch dick und dünn. Seit 25 Jahren schon pflegen sie die Stammtisch-Kultur, heute feiern sie ihr Jubiläum. Was einst auf dem Fußballplatz des SC Wacker in der A-Jugend begann, hat sich fortgesetzt. Heute haben fast alle Mitglieder Familie und sind im Beruf eingespannt. Aber den Freitagabend, den schaufeln sie sich frei. Denn dieser Treffpunkt im Marktredwitzer Squash- und Fitnesscenter ist ein Muss – ohne weibliche Begleitung.

Löschzug – den Namen verbinden die meisten Marktredwitzer mit dem gleichnamigen Fasching, der jedes Jahr ein Garant für prächtige Stimmung – diesmal am 28. Februar – ist. Den haben die Mitglieder des Stammtischs vor etlichen Jahren ins Leben gerufen, „weil am Faschings-Wochenende in Rawetz einfach nichts los war“, erklären Peter Schreyer und Olaf Goeritz im Gespräch mit der Frankenpost. Seither steppt am Freitag vor dem Faschingszug der Bär im Squash-Center, wo heuer wieder bis zu 600 Narren erwartet werden. „Wir sind immer ausverkauft“, sagt Goeritz stolz.

Er ist der Organisator des Jubiläums-Abends, zu dem sich am heutigen Mittwoch nicht nur alle zwölf Mitglieder des Stammtischs im „Kroatischen Restaurant“ treffen, sondern auch all jene, die dem eingeschworenen Zirkel jemals angehört haben. „Wir sind von Anfang dabei“, erzählt Peter Schreyer, der heute – auf den Tag genau 25 Jahre nach der Stammtisch-Gründung – so einige Anekdoten zum Besten geben wird.

„Unserer Runde gehören maximal 16 Mitglieder an“, verdeutlicht Goeritz das strenge Auswahlverfahren, zu dem erlauchten Kreis dazu stoßen zu dürfen. „Momentan sind wir allerdings nur zwölf, wir brauchen nicht zwingend Zuwachs“, ergänzt Peter Schreyer. „Da muss die Chemie schon stimmen. Und wenn auch nur einer dagegen ist, gibt es nach einer gewissen Probezeit keine Neuaufnahme.“ Dass so einige den Löschzug verlassen haben, liege nicht etwa daran, dass es Streit gegeben hätte, wenngleich in der Runde gern wild diskutiert wird. „Manchen wurde es einfach zu viel wegen der Familie oder sie haben sich wegen eines Umzugs oder Berufswechsels anderweitig orientiert“, erklärt Olaf Goeritz unter dem hölzernen Wappen mit dem Stammtisch-Namen, das im Squash-Center neben anderen Devotionalien der ehemaligen Kicker prangt.

Wie kam es eigentlich zur Gründung des Stammtischs und woher der Name? „Wir haben uns früher nach dem Training immer im ,Purzelbaum‘ getroffen oder im ,Dannhorn‘. Und so haben wir halt am 19. Februar einen Stammtisch gegründet“, so die schlichte Erklärung Peter Schreyers. Dass Rawetz im Namen vorkommt, liegt auf der Hand. „Löschzug“ liegt darin begründet, dass die fröhliche Runde kein Problem damit hat, den Durst mit einem guten Bierchen „Zug um Zug zu löschen“.

Vorbei sind die Zeiten, als die Mitglieder des Löschzugs noch lange Mähnen trugen. Heute sind die Haare kurz geschoren, ein Großteil der Fußballfreunde verheiratet oder zumindest in festen Händen. Etliche haben Kinder. „Der Jüngste ist 41, der Älteste 47 Jahre alt“, erzählt Olaf Goeritz. „Und wir treffen uns noch immer jeden Freitag. Ein fester Termin im Kalender ist der Vatertag, wo wir traditionell mit dem Leiterwagen losziehen“, fügt Peter Schreyer hinzu, der auch während seiner Arbeitsphase in China so häufig wie möglich an den Stammtisch zurückgekehrt ist.

Ein bisschen wehmütig blicken Goeritz und Schreyer zurück an die Anfangsjahre. „Über viele Jahre hinweg ist Bibione unser Ausflugsziel gewesen – natürlich nur für die Männer. Mittlerweile fahren wir privat mit unseren Familien dorthin.“

Alles sei inzwischen ein bisschen lockerer geworden. Die Stammtischler vermissen jedoch zuweilen die Lagerfeuer-Romantik ihrer wilden Jahre. „Wenn sich früher eine unserer Frauen an den Stammtisch gewagt hat, musste sie ein Goaßmaß zahlen“, schmunzeln sie. Und wer von den Stammtischlern den Freitagabend schwänzt, muss nach wie vor eine Strafe zahlen. Das wird heute wohl kaum passieren, wenn der eingeschworene Kreis zum Jubiläum lädt.

von frankenpost.de