Landtagskandidat Jörg Kästl : Uralub in Bibione

Plakate kleben bei 35 Grad
Während viele Freisinger gerade erholsame Tage am Strand genießen, wird es für die Landtagskandidaten ernst: Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Zeit für Entspannung bleibt da kaum

Von Thomas Radlmaier

bibione_uraub_jorg_kastlDer Herr Herrmann sei gerade nicht da, sagt die freundliche Sekretärin im Büro des Landtagsabgeordneten entschuldigend. Ihr Chef sei für ein paar Tage verreist. Mehr könne sie nicht sagen. Kurze Zeit später ruft Florian Herrmann schon zurück. „Ich bin mit meiner Frau über das Wochenende zum Wandern nach Meran in Südtirol gefahren“, erzählt der CSU-Landtagskandidat für den Stimmbezirk Freising-Pfaffenhofen. Ein wenig entspannen wollte Herrmann in Südtirol nach der anstrengenden Phase im Untersuchungsausschuss zum Fall Mollath. Doch ein Urlaub im eigentlichen Sinne sei das nicht, schildert er. Ständig telefoniere er mit zu Hause. „So kurz vor der Wahl kommt man eben nicht zur Ruhe.“

Wenn am Sonntag, 15. September, um 8 Uhr die Wahllokale öffnen, wird es ernst für die Freisinger Landtagskandidaten. Die Anwärter auf einen der begehrten Sitze im Münchner Maximilianeum haben den Schalter bereits auf Wahlkampf umgelegt. Zeit für Urlaub und Entspannung werden die Politiker aus dem Landkreis erst wieder nach der Landtagswahl finden.

Nur Christian Magerl, Freisinger Direktkandidat für Bündnis 90/Die Grünen macht zurzeit „täglich Urlaub“, wie er lachend sagt. „Gestern war ich in der Oberpfalz beim Wandern und heute verbringe ich den Tag am See.“ Wieso sollte ein Politiker auch auf seinen wohlverdienten Urlaub verzichten? Der Wahlkampf laufe ja nicht davon. Und außerdem wählten die Bayern ihr Parlament ja erst in ein paar Wochen. Wer sich da stressen lasse, sei selber Schuld. „Aber jetzt mal Spaß beiseite“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete und wird dann doch ernst: „Wenn eine Wahl so kurz bevorsteht, dann gibt es für einen Politiker nichts anderes mehr. Das ist doch klar.“ Seinen vorerst letzten Urlaub habe er an Pfingsten in Kroatien verbracht, erzählt Magerl. Das müsse jetzt erst einmal reichen. „Der Fokus liegt voll und ganz auf dem 15. September.“ Das bedeutet: Es gibt weder lange Wanderungen noch ausgedehnte Schwimmübungen im Badesee.

Pirat Franz-Josef Bachhuber, ebenfalls Bewerber für einen Sitz im Landtag, hat sich für den Wahlkampf sogar extra Urlaub genommen. „Ich freue mich auf den Wahltag“, verrät Bachhuber, „all das, worauf man sich in den vergangenen Wochen und Monaten vorbereitet hat, kommt jetzt auf den Punkt zusammen.“ Deshalb stört es den Moosburger auch wenig, wenn Freunde und Bekannte von ihren Reiseplänen erzählen oder den Samstagnachmittag im Schwimmbad verbringen, während er selbst bei 35 Grad Wahlplakate aufhängt.

Weder Neid auf andere Berufsgruppen noch Unzufriedenheit mit dem eigenen Politiker-Dasein empfindet auch Berthold Manke. Der FDP-Direktkandidat für den Bezirk Freising bezeichnet sich als Optimisten und kann sogar der Wahlkampftour am Wochenende bei gefühlten 50 Grad in den Stadtzentren noch etwas Positives abgewinnen. „Bei schönem Wetter und heißen Temperaturen haben die Menschen in Bayern immer gute Laune“, sagt Manke. Erst nach dem 15. September habe er wieder „Zeit für Entspannung“. Der Landtagskandidat will dann zusammen mit seiner Frau für ein paar Tage an den Wörthersee zum Segeln fahren. „Ich kann erst nach der Wahl wieder richtig abschalten“, gibt Manke zu.

Auch Peter Warlimont von der Freisinger SPD schenkt sich im sogenannten „Super-Wahljahr 2013“ den Sommerurlaub am Meer. Das liege aber „nicht nur“ an der Wahl, meint Warlimont. „Wir haben jetzt zu Hause einen kleinen Hund“, erzählt er. Mit einem Welpen in den eigenen vier Wänden sei sowieso nicht an einen längeren Urlaubsaufenthalt zu denken. Zusammen mit seiner Familie unternehme er lediglich ein paar Tagesausflüge. Doch wie andere Politiker könne er sich in Anbetracht der anstehenden Wahl „Urlaub in diesem Sinne“ nicht leisten.

ÖDP-Landtagskandidat Jörg Kästl dagegen versucht, Familienurlaub und Wahlkampf dennoch unter einen Hut zu bringen. Gegenwärtig ist er als Redner bei vielen Abendveranstaltungen oder an Infoständen seiner Partei anzutreffen. Daneben stehe noch das Kleben von Wahlplakaten in Moosburg, Langenbach, Haag und anderen Orten im Landkreis auf dem Programm, erzählt der Moosburger. Dennoch werde er Ende August für zwei Wochen mit der Familie nach Bibione in Italien fahren. „Vom 8. September bis zum Wahlsonntag folgt dann der Endspurt mit Infostand und Bürgergesprächen.“

Guido Hoyer von den Freisinger Linken hat seinen Urlaub dagegen schon hinter sich. Im Juli war er ein paar Tage im Schwarzwald und hat dort das Opern-Festival „Rossini im Wildbad“ besucht. „Aber Urlaub war das nicht wirklich“, so der Landtagskandidat der Linken. Mittlerweile konzentriert sich Hoyer nur noch auf die Wahl. Ob er danach noch einmal vereisen werde, könne er noch nicht sagen.

Auch Benno Zierer von den Freien Wählern bleibt so kurz vor der Landtagswahl zu Hause. Das habe aber nichts mit dem 15. September zu tun, verrät der Landtagskandidat und dritte Bürgermeister von Freising. „Meine Familie und ich, wir fahren eigentlich nie irgendwohin, um Urlaub zu machen“, so Zierer weiter, „wir verbringen die freie Zeit daheim.“ Im Landkreis sei alles vor Ort und das Wetter stimme zurzeit auch.

Wieso also in den Sommerferien wegfahren, wenn es auch in den eigenen vier Wänden schön sein kann? Und ganz nebenbei spart man sich neben den Urlaubs- auch noch hohe Telefonkosten. Die Rückrufe aus Meran wird Florian Herrmann auf alle Fälle noch vor der Wahl bei seiner monatlichen Handyabrechnung zu spüren bekommen.

von sueddeutsche.de