Christina Günther und Bibione

Stahlkappe statt Stöckelschuh: Frau aus Elte in Italien beruflich erfolgreich
Sonne, Strand und viel Arbeit – Christina Günther weiß im italienischen Pescara das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden

Von Nadine Jansen

Christina Gunther BibioneEs gibt zwei Dinge, die besonders auffallen: Blondinen in Italien und Frauen in Männerberufen. Auf Christina Günther trifft beides zu. Die 31-jährige Blondine hat sich mit großem Erfolg in der Baubranche selbständig gemacht – und das ausgerechnet in Italien.

Genauer gesagt in den Abruzzen. Dort lebt die in Elte bei Rheine aufgewachsene Frau seit 2004 in der Küstenstadt Pescara und ist zu einer ersten Anlaufadresse bei Hausrenovierungen geworden. Ihre Kunden sind meist Ausländer – und das nicht ohne Grund: „Ausländische Kunden fordern oft saubere und zentimetergenaue Arbeit, Italiener aber sehen alles oft etwas lockerer.“

Dennoch hat sie seit Beginn ihrer Selbständigkeit im Sommer 2007 ein Team von zuverlässigen Italienern um sich geschart. Maurer, Elektriker und weitere Handwerker, mit denen sie als Projektmanagerin ihre Aufträge abarbeitet. Anfangs seien viele Arbeiter und Firmen mit der deutschen Gründlichkeit überfordert gewesen, hätten groß geguckt, wenn sie ihnen Zeichnungen sowie Listen mit zu besorgenden Materialien und zu erledigenden Arbeitsschritten vorgelegt hätte.

„Doch durch Fachkenntnis kann man in jedem Bereich bestehen“, sagt Christina Günther – und hat sich in der Männerdomäne längst behauptet. „Außerdem gehe ich auch mit Stahlkappenschuhen auf die Baustellen und nicht mit Stöckelschuhen.“

Eine Faszination für Italien war neben der Begeisterung für Architektur immer schon da, begründet durch zahlreiche Familienurlaube am Adriastrand von Bibione. Doch der Weg bis in die Selbständigkeit als staatlich gepruefte Technikerin für Raumgestaltung und Innenausbau, Designerin und Handwerkerin war lang.

Dabei hatte Christina Günther als kleines Mädchen einen ganz anderen Berufswunsch: Hebamme! Erst langsam wurde also ein anderer Traum geboren, einer der über das Abitur am Arnold-Janssen-Gymnasium in Neuenkirchen-St.Arnold und eine Tischlerausbildung bei der Firma Wehmeyer in Ibbenbüren sowie die Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg bis zu den ersten Kurzzeitanstellungen führte.

Dann die Arbeitslosigkeit und damit verbunden die Chance auf etwas ganz Neues. Denn noch während Christina Günther im Arbeitsamt saß und sich die Wartezeit auf den Fluren mit einer Berufswahlzeitschrift vertrieb, las sie von einem Praktikantenprogramm der EU in Italien.

Der alte Traum von Südeuropa rückte näher, sie bewarb sich, wurde ausgewählt und ging Ende 2004 für vier Monate in die Abruzzen, um dort an einer in Pescara ansässigen Immobilienagentur weitere Schlüsselqualifikationen zu erwerben – und auch um in der Region die Landessprache zu lernen. „Als ich in Italien ankam, konnte ich fünf Wörter: „Pizza, pasta, basta, buongiorno und ciao“, gesteht die 31-Jährige. Doch das wurde schnell anders. Sie lernte schnell, fand gute Freunde, die die letzten grammatikalischen Stolpersteine aus dem Weg räumten – und kehrte nach Ende des Programms gar nicht erst zurück.

Zwar blieb der angebotene Anschlussvertrag der Agentur als Betreuerin für die Firmenwebseite zunächst aus und die Elteranerin musste sich mit vielen Hilfsarbeiten durchschlagen. Doch für ihr Engagement und Durchsetzungsvermögen wurde sie belohnt und übernahm im Laufe der Zeit die Aufgaben einer Marketing- und Franchising-Direktorin. Viele konkrete Nachfragen nach ihrer Person veranlassten Christina Günther schließlich, im Juli 2007 den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

„Beruflich bin ich angekommen, ich will gar nichts anderes machen und hier auch nicht mehr weg“, sagt die 31-Jährige. Die ersten Anlaufschwierigkeiten sind vergessen und vor Arbeit kann sich die in Emsdetten geborene Frau oft kaum retten: Renovierungsaufträge, dann die Arbeit als regionale Verkaufs-Managerin und Marketing-Direktorin für die römische Firma „Replat“, die Zusammenarbeit mit einer weltweit operierenden Firma für Immobiliengroßprojekte in London und die Kooperation mit einem Fliesenfachgeschäft in Pescara – „auf meinem Schreibtisch liegt oft der Kilimandscharo“, sagt die Wahl-Italienerin lachend, nimmt gleich die nächste Arbeit in Angriff und bearbeitet Projektentwürfe wenn nötig durchaus auch mal am Strand.

Land, Leute und Region haben es Christina Günther angetan. Ihre Arbeit liebt sie über alles – und nur ein großes Projekt hat sie sich noch gesetzt: Den Erwerb und die Renovierung eines eigenen schönen Hauses in der Region von Pescara. Ein Haus, das dann irgendwann Platz für die eigene Familie bietet.

von wn.de